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flasche: Offline
![]() Beitrag Datum: 09.01.2008 Uhrzeit: 17:06 ID: 26492 | Social Bookmarks: nach einigem stöbern hab ich jetzt einen artikel wiedergefunden, der kürzlich zu dem thema bei baunetz erschienen ist: BauNetz Online-Dienst: Download-Redirect |
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metalbau: Offline
![]() Beitrag Datum: 03.06.2011 Uhrzeit: 20:50 ID: 43941 | Social Bookmarks: architektur ist rationale organisation von raumverhältnissen. inwieweit architektur einfluss auf die gesellschaft üben kann ist abhängig von dem grad mit dem raumverhältnisse in die sphäre des sozialen eingreifen können. tatsächlich hat die organisation von räumen (raumordnung im übertragenem sinn) in der geschichte der menschheit eine extrem wichtige, würde ich sagen sogar entscheidende rolle gespielt (siehe z.b die römische bzw. die arabische zivilisation). ich wündere mich deswegen dass die meisten von euch behaupten, architektur könne nur eine kleine bzw. überflüssige gesellschaftliche relevanz haben. wahr ist aber, dass in der aktuellem zustand architektur sich auf die gestaltung von einzelobjekten beschränken muss. architekten und stadtplaner sind also meist nicht in der lage - trotz der anstehenden massiven urbanisierungsprozesse auf der weltebene - eine gestaltbildende einfluss auf die formale entwicklung von städten und größen bevolkerüngsballungsräumen zu üben. diese tatsache beschränkt auf dramatische weise die potentialität von architektur und stadtplanung in soziale probleme einzugreifen und beeinträchtigt in wesentlichem auch die gesellschaftliche akzeptanz unseren berufs (der architekt wird also oft als ein dekoratuer von prestigeobjekten oder - schlimmer - als einen "künstler" betrachtet) mit den gut bekannten konsequenzen (schlechte gehaltsverhältnisse, prekariat) die in diesem forum bisher ausführlich diskutiert worden sind. |
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Tom: Offline
Ort: Rhein-Ruhr
Hochschule/AG: Architekt ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Beitrag Datum: 03.06.2011 Uhrzeit: 22:58 ID: 43942 | Social Bookmarks: Zitat:
Städtebau (und Architektur) ist ja immer das Ergebnis individueller und lokaler Gestaltungs- und Investitionsentscheidungen, die autonom getroffen werden. Welche Wohnungen, Laden- oder Büroflächen finden wo zu welchem Preis ihren Käufer/Mieter? Welche Wohn- und Arbeitsformen werden am Markt angeboten und nachgefragt? Welche politischen und wirtschaftlichen Randbedingungen begünstigen oder hemmen ihre Entstehung und/oder Akzeptanz? Ein Architekt allein kann keine sozial progressiven Wohn- oder Arbeitsformen realisieren. Dazu gehört ein Bauherr, der das Konzept trägt und ein Markt, der das Angebot annimmt. Der Beitrag, den Architekten und Stadtplaner für sich leisten können ist, Konzepte zu erarbeiten und Bauherren/Investoren dafür zu begeistern. T. Geändert von Tom (05.06.2011 um 12:30 Uhr). Grund: Falsche Stelle zitiert. | |
Registrierter Nutzer Registriert seit: 19.05.2011
Beiträge: 70
metalbau: Offline
![]() Beitrag Datum: 05.06.2011 Uhrzeit: 18:14 ID: 43950 | Social Bookmarks: dear tom, ich würde sagen, du hast eine ausgeprägt neolaberalistisch-freimarktorientierte vision von architektur und planung innerhalb der gesellschaft. klar, das ist mainstream! so ist für dich städtebau " immer das Ergebnis individueller und lokaler Gestaltungs- und Investitionsentscheidungen, die autonom getroffen werden." also für die gestaltung der stadt sei das willen des "bauherrens" bestimmend, der aufgrund seiner wirtscahftlichem macht (money) frei entscheiden dürfe was, wo und für wen gebaut werden muss und der architekt sei nur ein "diener". es ist nicht aber immer so gewesen, geschichtlich gesehen. in der antike gehörte die form der stadt, die ausführung von bestimmten bautypologien zu einer der wichtigsten allgemein anerkannten gesellschaftlichen werten. (siehe dazu die alten römischen städte). aber auch in der tradition der moderne sind versuche, die logik der "I have more money to invest , then I build" zu brechen. so war CIAM nicht anders als der versuch der architekten - zum g. teil gescheitert - einfluss auf die entscheidungsprozesse über die entwicklung der modernen stadt zu gewinnen. d.h. obwohl der architekt selbstverständlich normalerweise den bauherren nicht ersetzen kann, kann er natürlich versuchen, durch die wissenschaftliche darlegung seiner erkenntnisse (die fachlichen erkentnisse ) enfluss auf die entscheidungsträger in der gesellschaft (hoffentlch nicht nur investoren, sondern auch politiker und bürger - d.h.die nutzer der räume selbst) zu üben. auf diese weise ist der architekt selbstverständlich in der lage, fortschrittliche konzepte gesellschaftlich zu verbreiten. wenn es so nicht gewesen wäre, dann hätten wir heute noch die früher in den deutschen großstädten übliche kellerwohnungen samt aborte auf dem hof! deine vorstellung von architektberuf scheint mir also aus , als der architekt ein eisverkäufer wäre, wobei das geschmak von kunde gewählt wird und der eismacher sich nur ihm die qualität des angebots sich kümmern muss. obwohl diese tasächlich heutzutage oft die triste realität ist, muss man nicht außer acht lassen, dass es alternativen geben könnte. ich sehe daher wie schon Richard Neutra gesagt hatte, der architekt eher als ein artz der die erzählung seiner kranken zuhören muss, die therapie dazu muss aber er selbst entscheiden! ich glaube dies sollte auch für die architekten gelten. nur dann würde unser gehalt, dem von anderen, sozial besser anerkannten berüflichen figuren annähern. |
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Beiträge: 836
Jochen Vollmer: Offline
Ort: Kassel ![]() ![]() ![]() ![]() Beitrag Datum: 06.06.2011 Uhrzeit: 09:38 ID: 43951 | Social Bookmarks: Zitat:
wohl wahr. Allerdings muss der "Patient" auch auf die Therapie anschlagen. Es gibt also starke Wechselwirkungen zwischen Architekt und Bauherren. Deine Schilderung lässt den Eindruck entstehen, der Architekt sei frei bei der Wahl der Therapie/ Methode seiner Arbeit. Er muss jedoch seine Ansichten allgemeinverständlich darstellen und ihre Plausibilität nachweisen können. Zitat:
__________________ jochenvollmer.de | ||
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Tom: Offline
Ort: Rhein-Ruhr
Hochschule/AG: Architekt ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Beitrag Datum: 06.06.2011 Uhrzeit: 22:23 ID: 43967 | Social Bookmarks: Zitat:
Warum wird ein Architekt in gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen Fragen nicht ernst genommen? Weil er sich damit normalerweise nicht auskennt, höchstens als ambitionierter Autodidakt. In der Ausbildung lernt er was über Ästhetik und Technik, beides mehr schlecht als recht. Und schon dieser "Generalismus" fordert die ganze Person. Die Hauptkompetenz, die ihn später von anderen Disziplinen differenziert, ist die Gestaltungskompetenz, sein Wissen über künstl. hervorgebrachte Räume (Geschichte, Theorie, Praxis) und eine gewisse langjährig-trainierte Bauch-Vermutung über ihre Wirkung auf Menschen, die sie nutzen. Das führt aber alles weg von der Ursprungs-Frage, ob Architektur soziale Probleme lösen kann. Nein, meine ich, die Architektur ist damit heillos überfordert. Architektur macht aus den Leuten keine besseren Menschen. Ich meine aber schon, dass schlechte Architektur und falscher Städtebau negative soziale Dynamiken verstärken können. T. | |
Social Bookmarks: Ui, da wurde ja an einen ganz alter Diskussionsfaden angeknüpft... Also mir fällt ersteinmal kein Beispiel ein, bei dem Architektur ein soziales Problem gelöst hätte. Es gibt aber Gebäude die Unruhen durch soziale Probleme kanalisieren können: Stadien und Arenen. Schon die Römer wussten, dass man dem Volk Brot und Spiele geben muss... ![]() Andersherum kann "Nicht-Architektur" sicherlich soziale Probleme schaffen.
__________________ Florian Illenberger tektorum.de - Architektur-Diskussionsforum archinoah.de Architektur Portal - Forum für Architektur: | |
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noone: Offline
![]() ![]() ![]() ![]() Beitrag Datum: 08.06.2011 Uhrzeit: 10:46 ID: 43975 | Social Bookmarks: Zitat:
Die Entwicklung des Stadtbildes der Römer ist genauso wie das der modernen Städte durch die Entwicklung und Erfahrung gewonnenen Erkenntnisse bezüglich Brandschutz (Abstände, Dacheindeckungen), Kanalisation, Hygiene, Krankheitsvermeidung etc. entstanden. Wenn wir den zum Scheitern verurteilten Massenwohnungsbau betrachten, stellen wir fest, dass dort durchweg keine privaten Investoren am Werk waren, sondern politisch gesteuerte, halböffentliche Wohnungsbaugesellschaften. Das heisst, es waren massenhaft Wohnungen notwendig, und in einem gesellschaftspolitischen Findungsprozess wurden die Wohnungen auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt. Leider ist es bei wissenschaftlichen Theorien immer so, dass sie erst inder Praxis bestehen müssen, und in der Architektur gewinnt man Erkenntnisse eben immer Jahre später. Deshalb ist der Städtebau ein langwieriger Prozess, und je schnelllebiger eine Gesellschaft ist, desto schwieriger ist es, vorrausdenkend zu planen und zu entwickeln. Die Probleme, die aus einer zu hohen Dichte entstehen, sind uns heute alle bekannt, deshalb geht und ging der Weg von einer hohen Dichte weg zu einer besseren Durchmischung der Dichte und Nutzungen hin. Die sozialen Probleme, die in Wohnquartieren entstehen, sind meist gesellschaftsdynamische Prozessen wie Arbeitslosigkeit, Armut, Aus- und Abgrenzen von Minderheiten und sozial Schwachen geschuldet. Dies ist allgemein anerkannt, deshalb wird auf die Durchmischung geachtet. Da aber letztendlich alleine das Budget entscheidet, wie gut die angestrebten Ziele verwirklicht werden, ist es leider immer noch so, dass durch die Vorgaben der Investoren und Politik vorsetzlich eine Architektur entsteht, die die gesellschaftlichen Probleme nicht lösen kann. | |
ehem. Benutzer Registriert seit: 01.07.2011
Beiträge: 7
LadyB: Offline
![]() Beitrag Datum: 04.07.2011 Uhrzeit: 09:44 ID: 44277 | Social Bookmarks: Zitat:
Aber eben auch der Bau von Stadien kann kontrovers sein und soziale Probleme eventuell hervorrufen. Wenn ich an das Stade de France in St. Denis denke, dass sie mitten ins Banlieu gebaut haben, ist das ein Prestige-Objekt in der Armengegend. | |
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