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Robi: Offline
![]() Beitrag Datum: 11.01.2012 Uhrzeit: 21:52 ID: 45839 | Social Bookmarks: Möchte euch recht geben - irgendetwas stimmt dabei nicht. Das Büro für das ich tätig bin arbeitet ausschließlich für kleine Komunen - da ist oft jeder Nachtrag (egal warum es dazu kommt) ein Kampf. Das führt soweit das man in den seltesten Fällen "Architektur" machen kann, da jede Entscheidung ausschließlich an den Kosten festgemacht wird. Wenn dann doch mal in dem ein oder anderen Gewerk Kosten überschritten werden ist nicht selten das Rechnungsprüfungsamt dabei die Gründe peinlichst genau zu untersuchen um evtl. die Mehrkosten irgendwie wieder einzuspielen... Aus diesem Grund versuchen wir fast immer bei den Kostenermittlungen eine Stufe tiefer zu gehen als erforderlich wäre - daher passt es bei unseren Projekten meistens oder wir schaffen es (aufgrund der eingeplanten Sicherheiten) die Kosten zu unterschreiten. Gelobt wird man dafür allerdings nie... :-( Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann ist warum man bei den Großprojekten das allerdings selten hin bekommt - ist doch oft nur mehr Masse die Ermittelt werden muss. Wenn man es bauen kann sollte man es auch (mit den normalen, akzeptablen Abweichungen) berechnen können. Grüße Robi |
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![]() ![]() ![]() ![]() Beitrag Datum: 16.01.2012 Uhrzeit: 14:48 ID: 45868 | Social Bookmarks: Ich glaube mittlerweile dass es hierbei, zumindest teilweise, um politisches Kalkül handelt. Wenn mann dass Beispiel der Elbphilharmonie genauer betrachtet: Am Anfang standen eine gerenderte Perspektive, und ich glaube ca 80 mio. Euro Baukosten im Raum. Sind wir Dochmal ehrlich: Wenn man sich diese Perspektive anschaut, ist doch jedem, der halbwegs mit der Materie vertraut ist klar, dass die genannte Summe bei den vorgegebenen Bedingung ( Bauen auf einem Bestandsgebäude der Nachkriegszeit, in einem Hochwassergebiet, Prestigebau, etc...) nicht auskömmlich sein kann. Würde man von Anfang an sagen: Wir bauen eine neue Philharmonie, die Kosten belaufen sich Vorraussichtlich auf 300 mio Euro, würde dass ganze nie gebaut werden, DIe Oppositionn würde Aufschreien (Stichwort Geld besser für ... ausgeben) und man könnte als politisch Verantwortlicher spätestens bei der nächsten Wahl seinen Hut nehmen. Solche Bauten sind jedoch meistens Politisch gewollt. Also stellt man sich hin (so ist zumindest meine Theorie) und lügt sich selbst ein wenig in die Tasche: Es Werden Kosten publiziert, von denen alle Beteiligten wissen, dass sie nicht realistisch sind. Wenn die ganze Sache allerdings erstmal angeschoben wurde, sprich gebaut wird, will sich niemand mehr die Blöße geben, und den Bau aus finanziellen Gründen Stoppen, da dies der öffentlichkeit gegenüber als ein EIngeständniss der eigenen Unfähigkeit wäre. Potentielle Schuldige gibts ja genug (Baufirmen, Architekten, Ingenieure, der Markt an sich, unfähige Behörden, mangelnde Kommunikation, Änderungswünsche während der Bauzeit, ...) Dazu kommt noch die Problematik mit der Vergabepraxis der öffentlichen Hand, Aufträge in er Regel an den billigsten Bieter zu vergeben.(Der dann oft genug unter Preis kalkuliert, und sich seinen Gewinn über Nachträge reinholt), und die tatsache dass auf Seiten der bauherren oft Mitarbeiter mit der Projektsteuerung beauftragt werden, die fachlich einfach überfordert sind. Und schwupps haben wir eine Kostenüberschreitung von 100% und mehr, und alle Beteiligten kratzen sich am Kopf und fragen sich wie dass wohl passieren konnte.Der Spiegel nörgelt, die Opposition schreit rum, und die Verantwortlichen in der Politik sagen: "Hätten wir dass am Anfang gewusst..." P.S.: Ich will nicht Sagen dass die Planer an einer Kostenexplosion immer unschuldig sind, aber aus meiner Erfahrung sind Kostensteigerungen zu ca. 80 % hausgemacht. |
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Oder bückt man sich, weil es sonst ein Kollege tut? | ||
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![]() ![]() ![]() ![]() Beitrag Datum: 16.01.2012 Uhrzeit: 17:48 ID: 45871 | Social Bookmarks: Zitat:
Das m.E. nach ist nicht die Frage. Ich hab es schon erlebt, dass man selbst wenn man auf "Kostenfallen" im Vorfeld hinweist (im Konkreten Fall waren es Brandschutzmaßnahmen die bei einer Sanierung erforderlich wurden) angegangen wird, mann solle gefälligst nicht so schwarz malen, und wenn die Kosten später explodieren werde man schon eine Lösung finden. Ich habe mit dieser Situation auch kein Problem, sofern sich hinterher alle an ihre Aussagen erinnern und weiterhin an einem Strang ziehen. (Was im genannten Beispiel auch der Fall war) Ärgerlich finde ich halt nur, dass durch das die in meinem 1. Post beschriebene Verhalten unser ganzer Berufsstand in Mitleidenschaft gezogen wird, da die Ursachen für einen Kostensteigerung nicht entsprechend nach aussen transportiert werden. Für die Öffentlichkeit ist der Schuldige halt meistens der Architekt. Und der wird in der Regel den Teufel tun, den Bauherren "anzuschwärzen",man will ja schließlich wieder mit Ihm Bauen.(Herr de Meuron ist hier eine rühmliche Ausnahme, aber er kanns sich Wahrscheinlich auch auch leisten) Stichwort Bauträger / Schlüsselfertig zum Festpreis: Was hier beworben wird entspricht doch auch leider oft nicht der Realität. Sobald der Erwerber Wünsche hat, die über das im Vertrag beschrieben Maß hinausgehen, lässt sich der Bauträger diese nur allzuoft überdurchschnittlich gut bezahlen. Oder den Käufern ist nicht klar, dass was Schlüsselfertig bedeutet, und was sie an Leistung im Zweifelsfall noch zusätzlich erbringen müssen. Ich glaube zumindest, dass sich im EFH Bereich keinen nennenswerten Unterschied zw. Bauen mit einem Architekten und Bauen mit einem (seriösen) Bauträger gibt. Und mal ehrlich: dass Ein Gebäude wie die Elbphilharmonie zu einem "Festpreis" gebaut wird, wie Hochtief und die Stadt Hamburg vereinbahrt haben, ist doch Blanker Hohn. (und jeder weiß das) Die, Normen, BKI, und die ganze Kostenberechnung wie sie gem. DIN 277 (?) vorgeschrieben werden, sind halt sehr theoretische Gebilde die in ihrer reinform kaum durchzuhalten sind, und aus verschiedensten Gründen an der Praxis scheitern. nur ein Beispiel: wenn man im vergangenen jahr eine Kostenschätzunh nach BKI / Erfahrungswerten erstellt hat konnte man diese nach Submission der Angebote in die Tonne kloppen. Die Preise lagen durchschnittlich 25% über dem BKI. Warum? Die Unternehmer wussten, das die öffentliche Hand Ihre KP2 Maßnahmen bis Ende 2011 verausgaben mussten. Was da zum Teil an Preisen gemacht wurde grenzt an Wucher. Kann manns ihnen verübeln? Nein. In "normalen Zeiten werden die Unternehmer doch oft genug von öffentlichen AG´s gedrückt (Stichwort "der billigste kriegts") Ich will hier jetzt keine Lanze für HOCHTIEF, Bilfinger und co. brechen, wir bewegen uns da halt in einem dreckigen Geschäft, und die wissen auch wie man´s spielt. ...ein Gebäude wie die Elbphilharmonie in Kostengruppen gem. BKI oder was auch immer in dieser Liga benutzt wird einzuordnen halte ich für fast unmöglich (und wie in meinem 1. Post beschrieben auch für nicht gewünscht) Und ja, man bückt sich, weils sonst ein Kollege tut. Die Frage ist nur, wie tief? ![]() | |
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![]() ![]() ![]() ![]() Beitrag Datum: 16.01.2012 Uhrzeit: 18:09 ID: 45873 | Social Bookmarks: ... und noche ein Beispiel: Saarlandmuseum: Angewandte Lebenskunst - Inland - FAZ man wird wahrscheilich in jedem Bundesland eins finden ![]() |
Social Bookmarks: Zitat: "Dummköpfe oder Lügner" nennt Bent Flyvbjerg, Professor für Stadtplanung in Oxford, Manager von Großprojekten wie dem Berliner Flughafen. Ihre Kosten- und Bauzeitprognosen strotzten vor Naivität oder Unehrlichkeit. Der renommierte Experte für Megaprojekte schlägt eine neue Methode vor, um die Voraussagen verlässlicher zu machen: Für Hunderte Großprojekte weltweit hat er errechnet, wie deutlich die tatsächlichen Kosten über die geplanten hinausschossen. Den so errechneten Zuschlag, fordert Flyvbjerg, müssten künftige Bauherren dann schon von Anfang an einplanen. Bauprojekte: So teuer werden künftige Großbaustellen - SPIEGEL ONLINE | |
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bimfood: Offline
![]() ![]() Beitrag Datum: 28.01.2013 Uhrzeit: 23:18 ID: 49247 | Social Bookmarks: mh. Woran liegt das? Fehlt den Verantwortlichen das Rückgrat um gleich bei der ersten Projektsitzung die Kosten vollumfänglich anzusprechen? Da wird m. E. nicht selten fleißig drauflos geschönt, damit ein Projekt überhaupt zustande kommt. Am Ende kommt die Kohle schon von irgendwo her. Schlimmstenfalls werden dann doch Abstriche gemacht. Oder auch ein Klassiker: "Wir bauen mal was. - Was genau und wieviel davon wissen wir noch nicht genau. Mal sehen was geht, und wie es sich entwickelt." Übrigens vielleicht auch gar keine schlechte Methode, da sich die Anforderungen ohnehin während des Projektverlaufes 1000+1-fach Fortentwickeln und Annahmen, die zur Zeit des Projektbeginns getroffen wurden schon wieder hinfällig sind. Ein Bekannter (kein Architekt, sondern Arzt) erzählte von einem Kranken- hausbau in Göttingen (aktuelles Projekt). Dort werden angeblich Innenwände hergestellt, bei denen jetzt schon klar ist, dass sie vor Inbetriebnahme wieder rückgebaut und in anderer Grundrisszonierung wieder errichtet werden (nicht die selben Wände, sondern neue) weil dieser Vorgang kostengünstiger ist als die bestehenden Wände gleich "richtig" aufstellen zu lassen! lol Ich habe es auch schon erlebt, dass erst einmal ganze Kostengruppen (z. B. die Herstellungskosten für Freiraumgestaltung) ausgeklammert werden, weil z. B. die Beauftragungssituation unklar ist. "Plötzlich" kommen diese später dazu. Trotz regelmäßiger Protokolleinträge, die alle Beteiligten auch nachweißlich erhalten haben. Und wie steht es um diejenigen, die die Kosten schätzen. Aus Gesprächen mit meinen (Berufseinsteiger-) Freunden, ergibt sich oft, dass es eben diese sind, die "ins offene Messer laufen gelassen werden". .... Da wird schonmal die Abdichtung hinter der Perimeterdämmung vergessen, um ein Beispiel zu nennen. bim |
Social Bookmarks: Zitat:
Vielleicht bin ich auch nur ein wenig neidisch auf die renommierten Kollegen, die es sich gemeinsam mit ihren Bauherrn erlauben können, die Kosten anfangs kleinzureden und nachher das 4-5 fache zu verbauen, während man mir schon ab 5 % Kostenüberschreitung anfängt kräftig die Ohren langzuziehen. ![]() Zitat:
Viele Kunden sind aber auch mit einem schicken "Wegwerfhaus" (entsprechend IKEA-Möbeln) ganz zufrieden und brauchen nicht das Tiptop-durchgestylte Architektenhaus, welches sich später problemlos barrierefrei an-/umbauen läßt und auch in der übernächsten Generation noch gerne vererbt wird. Es ist halt so, dass die einige Bauherren erstmal einen niedrigen Preis hören wollen und dann später mit dem höheren Preis leben müssen. Architekten haben dazu, wie gesagt, den schlechten Ruf, dass bei ihnen eh alles nochmal teurer wird, weil sie es viel zu genau nehmen und es zu "schön" machen wollen. Ich kann für meinen Teil sagen, dass ich gar nicht erst versuche mit Schlüsselfertiganbietern zu konkurrieren, weil man sich da sehr unseriös verhalten müßte. Ich bringe bereits im ersten Gespräch mit dem zukünftigen Bauherrn realistische Baukosten (lieber mit Sicherheitszuschlag) ins Gespräch und dann trennt sich ganz schnell die Spreu vom Weizen. Manchem "Schnäppchenjäger" kann man so ganz schnell aus dem Weg gehen und sich auf die Kunden konzentrieren die Qualität und gute Betreuung zu schätzen wissen. Leider können die wenigsten Privatkunden von ihren guten und schlechten Hausbauerfahrungen profitieren, da sie meist nur einmal im Leben bauen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Viele beim zweiten Mal direkt zum Architekten gehen. | |||
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![]() ![]() ![]() ![]() Beitrag Datum: 16.01.2012 Uhrzeit: 18:25 ID: 45875 | Social Bookmarks: ...schwierig ist es m.E. nach auch bei Privatleuten, die die "Warnungen" Verdrängen, und die kosten auf spätere Leistungen verschieben wollen ("das sparen wir dann bei der Küche > das sparen wir dann beim Boden>das sparen wir dann bei den Aussenanlagen.....) am Ende sieht man dann die Häuser im Neubaugebiet nach 2 Jahren immernoch in einer Schlammwüste stehen, weil man sich notgedriungen die Aussenanlagen komplett sparen musste ![]() |
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